DIALOG AUF AUGENHÖHE


Karl Josef Boussard / Dipl.-Ing. / Autor


Den Absprung wagen


Motivation

Der Impuls zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens ist bei vielen Lesungen meines ersten Buches deutlich geworden. Aufgelöste gesellschaftliche Strukturen und abgehobene ordnungspolitische Systeme führen zwangsläufig in eine Welt, in der wir aneinander vorbei leben. Nur eine ausgewogene soziale Grundausrichtung kann den notwendigen Zusammenhalt der Gesellschaft wieder stärken. Da ist jeder gefordert.

Kurzbeschreibung

Wir müssen uns entscheiden. Wollen wir weiter Wachstum um jeden Preis oder kümmern wir uns wieder um die Menschen? Das hohe Tempo des „Schneller – Höher - Weiter“ kann nicht jeder mithalten. Den globalen und demografischen Herausforderungen können wir nur begegnen, in dem wir das Soziale im Alltag neu beleben. Einige Stichworte: Die Weiterentwicklung der Familie zum sozialen Netzwerk annehmen, die Alltagstauglichkeit neu gewichten, Wege zum Schulabschluss für alle finden, Benachteiligte integrieren.Auf dieser Basis gilt es jetzt die Weichen zu stellen. „Den Absprung wagen“ enthält viele ermutigende Beispiele.

Leseprobe -  Die Welt in der wir aneinander vorbei leben

 

„Schon der Zweite ist Verlierer. Durchschnitt ist etwas Fürchterliches.“
Erfolgsunternehmer beim Marketingklub Saarbrücken
Saarbrücker Zeitung, 13.10.10

 

Wer funktioniert, bleibt im System und kann am  gesellschaftlichen Leben teilnehmen.  Diese vermeintlich einfache Rezeptur  beschreibt das Leben in Deutschland äußerst treffend. Und das angeführte Zitat macht unmissverständlich klar, dass nur Platz 1 zählt. Der Vortrag richtete sich zwar an Unternehmer, lässt sich aber auf alle Lebensbereiche anwenden.

In den Systemen Schule und Beruf sind Leistungskriterien zu erfüllen. Wer nicht der Norm entspricht, wird entweder nicht zugelassen oder fliegt raus. Um im Job mithalten zu können, haben zwei Millionen Beschäftigte schon einmal aufputschende Mittel eingenommen. Dieses niederschmetternde Ergebnis hat die Krankenversicherung  DAK in einer Anfang 2009 veröffentlichten Studie festgestellt. Die Kritik richtet sich nicht gegen Normen und Qualifikationen, sondern gegen das Missachten der menschlichen Würde. Längst schon ist der Individualismus eine bestimmende Größe. „Schneller, höher, weiter“ lautet die Devise und menschliche Leistungsgrenzen spielen schon lange keine Rolle mehr. Lebensfreude und Zufriedenheit bleiben bei der täglichen Rastlosigkeit auf der Strecke. Ist das die Welt, in der wir leben wollen? Wer denkt dabei an die vielen Mitbürger, die das hohe Tempo nicht mithalten können und am Rande der Gesellschaft leben müssen?

Die gesellschaftlichen Baustellen sind schnell ausgemacht. Das Vertrauen in die ständig reformierten Schulen ist verloren gegangen. Unterschiedliche Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen werden nur unzureichend berücksichtigt. Die gängige Devise des „Friss oder stirb“ lässt wenig Raum für die persönliche Entwicklung der Person. Fehlende Schulabschlüsse sind die Folge; sie ebnen den Weg in die Perspektivlosigkeit. Junge Menschen ohne Qualifikation haben keine Chancen auf eine Beschäftigung und sind von  Politik und Gesellschaft enttäuscht. Der Wegfall industrieller Arbeitsplätze zum Beispiel im Saarland konnte bis heute nicht kompensiert werden. Ebenso herrscht ein Mangel an Ausbildungsplätzen, die auch den Wünschen der Auszubildenden entsprechen. 
Die Lebensbrüche Schule, Ausbildung und Beruf, maßgebliche Voraussetzung  für ein eigenständiges Leben, sind nicht mehr aufeinander abgestimmt und deshalb parken Millionen von Bürgern auf einem Nebengleis. Haben diese Menschen einfach nicht funktioniert oder funktionieren die Systeme nicht?